Sonntag, 5. November 2006

"Aber meine Ex ..."

Nach dieser etwas außer Kontrolle geratenen Diskussion fiel mir eine weitere Geschichte ein. Diesmal geht es allerdings nicht darum, daß jemand zu kurz geraten ist, sondern ... Ach was, beginnen wir am Anfang.

Nennen wir den jungen Mann, um den es diesmal geht, der Einfachheit halber Fabian. Jener Fabian lief mir während einer Fortbildung über den Weg und wir verstanden uns auf Anhieb. So machte es zumindest den Anschein. Wir flirteten auf sehr doppeldeutige Weise und nach der Fortbildung ludt er mich ins Kino ein – zur Nachmittags-Vorstellung. Ich nahm die Einladung an, schließlich war er mir sympathisch und kitzelte meinen Jagd-Instinkt. Schon an der Kinokasse hätte ich mich wohl besser vom Acker gemacht. Bei der Diskussion über den Film, welchen wir denn gucken wollten, fiel der Satz „Aber meine Ex mochte amerikanische Highschool-Filme!“ Das hätte mich mißtrauisch machen sollen ... Leider hörte meine Libido nicht auf das warnende Stimmchen in meinem Hinterkopf und so nahm das Verhängnis seinen Lauf beziehungsweise ich landete vorerst in „American Pie 3“.

Kino, dunkel, kaum jemand in der Nachmittags-Vorstellung. Kennt man ja. Wir knutschten also wild in der letzten Reihe. Doch als ich meine Hand Fabians Oberschenkel hinauf wandern ließ, schob er sie weg. „Also, meine Ex hätte sich nie so verhalten,“ erklärte er mir entrüstet. Na gut, wenn er nicht will, dachte ich und ließ es auch gut sein. Nach dem Kino fragte er, ob ich noch mit zu ihm wolle. Hormongesteuertes Denken ließ mich ja sagen. Da saßen wir also bei ihm. Fabian, ich und seine Ex. Denn seine Ex hätte im Gegensatz zu mir ja nur Kräutertee getrunken. Kakao mache ja dick. Sie wär überhaupt sehr gesundheitsbewußt gewesen und geraucht hätte sie auch nicht. Deswegen habe er nur heimlich rauchen können.

Ich weiß gar nicht mehr, wie lange ich Sätze wie „Aber meine Ex hatte“ oder „Meine Ex hat immer“ gehört habe, wir landeten nach einer ganzen Litanei auf diesem weichen flauschigen Ikea-Teppich. Eine ganze Weile herrschte angenehmes Schweigen während wir uns gegenseitig von lästigen Textilien befreiten. Ich war schon fast davon überzeugt, der Schatten der Ex hätte den Raum verlassen, da hörte ich folgenden Satz. „Du bist ja schon ganz schön laut. Meine Ex war nie so laut!“ Unnötig zu erwähnen, daß mich das vollkommen aus der Lust riß, die sich gerade so schön zwischen meinen Schenkeln aufbaute. „Nun ja, ich bin nicht deine Ex. Vielleicht liegt es daran?“ murmelte ich durch zusammen gebissene Zähne.

Im weiteren Verlauf des Abends erfuhr ich dann noch, daß seine Ex die größeren Brüste, den kleineren Po, die längeren Beine und nicht so lästig lange Haare hatte wie ich. Ich ignorierte das ab einem bestimmten Punkt sehr gepflegt, ich wollte Fabian schließlich nicht heiraten, sondern nur von ihm gevögelt werden. Als ich ihn dann allerdings dezent fragte, ob er Kondome da habe und nur ein erstauntes „Wofür brauchst du die? Meine Ex nahm die Pille“ hörte, war der Abend gelaufen. Ich wuselte mich unter ihm hervor, stand auf und begann, mich anzuziehen.

„Was machst du da?“ er guckte mich total verdattert an. „Ich packe meine zu kleinen Brüste, meinen zu breiten Hintern und meine zu kurzen Beine wieder in den Stoff, den ich vorher auch anhatte!“ gab ich bissig zurück. „Ja, aber warum? Wir haben doch Spaß oder nicht?“ sein Gesichtsausdruck sprach Bände. „Hätte ich Spaß, würde ich mich nicht anziehen!“ knurrte ich und zerrte meine Schnürsenkel fest. „Das verstehe ich jetzt nicht!“ sagte er in vorwurfsvollem Ton. „Vielleicht kann es dir deine Ex-Freundin erklären. Ich hab jetzt keinen Bock mehr!“ schoß ich zurück während ich meine Jacke suchte. Er schaute mir dabei total irritiert zu. „Und, was mach ich jetzt mit meiner Latte?“ er schien immer noch nicht zu begreifen, daß ich wirklich gehen würde. „Versuchs mit Handarbeit!“ fauchte ich bevor ich die Wohnungstür hinter mir ins Schloß warf.

Ich setzte mich in mein Auto und kochte vor Wut. Der Kerl hatte mich beleidigenderweise permanent mit seiner Ex verglichen. Gerade als ich den Motor starten wollte, klingelte mein Handy. Kathrin war dran. Ob ich Zeit hätte. „Ja, jetzt habe ich Zeit!“ schnaubte ich. „Ich bin in zwanzig Minuten bei Dir.“ Zu Kathrin fahren war eine gute Idee. Da könnte ich ungestraft meinen Frust ob dieses Abends abladen und gemeinsam mit ihr darüber lästern, daß Männer doch ohnehin alle dämlich seien.

„Hey du, dein Kakao ist schon fertig. Rum oder Amaretto?“ mit diesen Worten öffnete mir Kathrin die Türe. Ich zog Jacke und Schuhe aus und ließ mich auf ihr Sofa fallen. „Amaretto bitte.“ Was denn mit mir los sei, fragte sie und ich erzählte ihr den Verlauf meines Abends. Ließ dabei auch kein einziges „Aber meine Ex ...“ und kein Detail aus. Während ich mir die Wut von der Seele redete, zuckte ein beständiges Grinsen um Kathrins Mundwinkel. Bis sie sich nicht mehr halten konnte und schallend anfing zu lachen. „Das ist nicht witzig! Der Kerl hat mich in einem fort beleidigt und das ist nicht zum Lachen!“ beschwerte ich mich. „So was kann auch nur dir passieren,“ jappste sie bevor sie lachend zusammen klappte. Ganz egal, was ich auch sagte, sie beruhigte sich nicht. Ganz im Gegenteil, sie lachte einfach weiter. „Ich stell mir das gerade bildlich vor!“ gluckste sie zwischen durch immer wieder.

Ihr Lachen hatte etwas ansteckendes und bald saßen wir beide kichernd in ihrem Wohnzimmer. Humor ist schließlich, wenn man trotzdem lacht. Moral der Geschichte: versuche nicht, mit jemandem ins Bett zu gehen, wenn Du nicht über die gewünschten körperlichen Vorzüge der Ex-Freundin verfügst ...
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Schneeweischens & Rosenrotes elf Minuten

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Hab ich doch schon! ;)
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Little Miss Sunshine (anonym) - 17. Aug, 21:16
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Boeser Wolf - 16. Aug, 20:30
"DVD gucken" ist sowieso...
"DVD gucken" ist sowieso nur ein Synonym für poppen!
little miss sunshine (anonym) - 16. Aug, 14:37
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sweetpearl - 8. Aug, 20:40
Achso... ich dachte...
Achso... ich dachte eher an Little Miss Sunshine,...
Boeser Wolf - 8. Aug, 20:06

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